hans-christian oeser
   
  Literaturübersetzer und Herausgeber
Literary Translator and Editor
English – German
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hans-christian oeser zitiert. . .
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Foto: Doris Poklekowski
 
 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 


 

"Eine Übersetzung ist entweder grammatisch, oder verändernd, oder mythisch. Mythische Übersetzungen sind Übersetzungen im höchsten Stil. Sie stellen den reinen, vollendeten Charakter des individuellen Kunstwerks dar. Sie geben uns nicht das wirkliche Kunstwerk, sondern das Ideal desselben. Noch existiert wie ich glaube, kein ganzes Muster derselben. Im Geist mancher Kritiken und Beschreibungen von Kunstwerken trifft man aber helle Spuren davon. Es gehört ein Kopf dazu, in dem sich poetischer Geist und philosophischer Geist in ihrer ganzen Fülle durchdrungen haben. Die griechische Mythologie ist zum Theil eine solche Übersetzung einer Nationalreligion. Auch die moderne Madonna ist ein solcher Mythus.
Grammatische Übersetzungen sind die Übersetzungen im gewöhnlichen Sinn. Sie erfordern sehr viel Gelehrsamkeit, aber nur diskursive Fähigkeiten.
Zu den verändernden Übersetzungen gehört, wenn sie echt sein sollen, der höchste poetische Geist. Sie fallen leicht ins Travestiren, wie Bürgers Homer in Jamben, Popens Homer, die Französischen Übersetzungen insgesamt. Der wahre Übersetzer dieser Art muß in der Tat der Künstler selbst sein, und die Idee des Ganzen beliebig so oder so geben können. Er muß der Dichter des Dichters sein und ihn also nach seiner und des Dichters eigner Idee zugleich reden lassen können. In einem ähnlichen Verhältnisse steht der Genius der Menschheit mit jedem einzelnen Menschen.
Nicht bloß Bücher, alles kann auf diese drei Arten übersetzt werden."
Novalis. Blütenstaub (1797/98)

"Und so ist jeder Übersetzer anzusehen, daß er sich als Vermittler dieses allgemein geistigen Handels bemüht, und den Wechseltausch zu befördern sich zum Geschäft macht. Denn, was man auch von der Unzulänglichkeit des Übersetzens sagen mag, so ist und bleibt es doch eins der wichtigsten und würdigsten Geschäfte in dem allgemeinen Weltwesen."
Johann Wolfgang von Goethe


"Nationalliteratur will jetzt nicht viel sagen, die Epoche der Weltliteratur ist an der Zeit, und jeder muß dazu wirken, diese Epoche zu beschleunigen"
Johann Wolfgang von Goethe (1827)

"An die Stelle der alten lokalen und nationalen Selbstgenügsamkeit und Abgeschlossenheit tritt ein allseitiger Verkehr, eine allseitige Abhängigkeit der Nationen voneinander. Und wie in der materiellen, so auch in der geistigen Produktion. Die geistigen Erzeugnisse der einzelnen Nationen werden Gemeingut. Die nationale Einseitigkeit und Beschränktheit wird mehr und mehr unmöglich, und aus den vielen nationalen und lokalen Literaturen bildet sich eine Weltliteratur."
Karl Marx, Friedrich Engels: Manifest der Kommunistischen Partei (1848)

"Der Autor schafft mit seiner Sprache nationale Literatur, die Weltliteratur wird von Übersetzern gemacht."
José Saramago, portugiesischer Romancier und Literaturnobelpreisträger

"Dem (...) Fremden entgegenzustellen ist die Figur des Übersetzers, der die Erfahrung von Liminalität und kultureller Hybridität aushalten und die verzeichneten Brüche und Interferenzen von kulturellen Mustern zu einem neuen Ganzen zusammenfügen kann. Als 'Grenzgänger' zwischen Sprach- und Kulturfeldern vermittelt er nicht nur zwischen 'Fremdem' und 'Eigenem', indem er durch die geschaffene Äquivalenz des Nicht-Identischen kulturelle Unterschiede kenntlich macht. Vielmehr gründet er seine eigene Existenz auf die schöpferische Ausfüllung jenes 'Dazwischen', auf jenen in der Überlappung von Kulturfeldern geschaffenen imaginären 'Dritten Raum', der ihm die Verortung seiner transkulturellen Identität gestattet."
Claus-Dieter Krohn u. a. (Hrsg.): Exilforschung. Ein internationales Jahrbuch, Bd. 25 / 2007. Übersetzung als transkultureller Prozess (2007)

"Mein Plädoyer läuft also zuletzt auf den Übersetzer als Autor im emphatischen Sinne des Begriffs hinaus, auf seine Verabschiedung aus einer bloß dienenden Funktion und auf die Anerkennung der Übersetzung als eines eigenen authentischen Werks, das zu dem Anreger-Werk in einer Beziehung der Ähnlichkeit steht, dessen Qualität sich aber nicht darin erweist, daß es eine möglichst vollkommene Kopie (imitatio) in der Zielsprache erreicht, sondern daß es als authentisches Gebilde die ästhetischen Bedürfnisse seines neuen Publikums erfüllt und in diesem Sinne das Original überbietet."
Gert Ueding (2005)

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